Wie PPAs strategische Sicherheit in die Energiebeschaffung bringen

Der Artikel wurde für das aktuelle emw-Magazin von energate geschrieben.

Aktuelle Veröffentlichung im emw-Magazin von energate.

Power‑Purchase‑Agreements (PPAs) sind nach ihrem Boom 2023/2024 etwas aus dem Fokus gerückt. Politische und regulatorische Unsicherheiten wirken sich auf den PPA-Markt aus. Für Industriekunden wie Stadtwerke sind die langfristigen Lieferverträge doch noch immer wirkungsvolle Bestandteile einer Strombeschaffungsstrategie – gerade im Hinblick auf geopolitische Abhängigkeiten. Mit den richtigen Tools und Partnern können Risiken gehandhabt werden und PPAs ihre Hebelwirkung bestmöglich entfalten.

Warum spielen PPAs eine Schlüsselrolle auf dem Strommarkt?

Der Energiesektor steht unter einem enormen Transformationsdruck. Klimaziele, Investitionsrisiken, volatile Märkte – dafür braucht es Beschaffungs- und Absicherungsinstrumente wie PPAs. PPAs gelten als zentrale Beschleuniger der Energiewende, weil sie neuen Wind- und Solarprojekten verlässliche Cashflows sichern und sie dadurch erst bankfähig machen. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach glaubwürdig zertifiziertem Grünstrom – nicht nur bei Energieversorgern, sondern insbesondere in der Industrie. Industrieunternehmen wollen Liefer- und Preisrisiken begrenzen, Nachhaltigkeitsverpflichtungen erfüllen und sich geopolitisch unabhängiger aufstellen, indem sie den Energiebezug diversifizieren. Damit bekommen PPAs eine Schlüsselrolle im Markt, weil Versorger, Industrie und Erzeuger eng miteinander vernetzt agieren.

Welche Chancen eröffnen PPAs speziell für Stadtwerke und regionale Versorger?

PPAs ermöglichen Stadtwerken ohne eigene Erzeugung, die wachsende Nachfrage nach ‚echtem‘ Grünstrom ihrer Kundinnen und Kunden – darunter viele industrielle Abnehmer – zu bedienen und so den Anforderungen des Marktes zu begegnen.

Sofern ein Stadtwerk eigene Erzeugungsanlagen betreibt und die Direktvermarktung selbst übernehmen kann, schafft es neue Möglichkeiten für die kommunale Wertschöpfung. Die Marge des Direktvermarkters verbleibt beim Stadtwerk und es kann den Kunden zeitgemäße Produkte anbieten.

Detail aus dem emw-Beitrag.

Detail aus dem emw-Beitrag.

Hierzu werden entsprechende Prozesse benötigt, die die Optimierung und Abrechnung der Anlagen skalierbar abbilden.

Welche Prozesse spielen bei der Bewirtschaftung von PPAs und der Direktvermarktung eine Rolle?

Die Direktvermarktung umfasst Prognoseprozesse, Fahrplanmanagement, Bilanzkreisführung und Abrechnung. Plattformen können dabei helfen, all diese Prozesse gemäß den regulatorischen Anforderungen abzubilden und selbst die Rolle des Direktvermarkters zu übernehmen – Wertschöpfung inklusive.

Dadurch werden die Stadtwerke befähigt, die Direktvermarktung selbst zu übernehmen. Standardisierte und automatisierte Prozesse ermöglichen eine effiziente und skalierbare Handhabung von Erzeugungsanlagen inklusive Abrechnung der Verträge.

Und wie beurteilt die Industrie PPAs?

Industrieunternehmen stehen unter wachsendem Kostendruck. Gleichzeitig müssen Emissionen reduziert und in Energieeffizienz investiert werden. PPAs verschaffen ihnen Zugang zu langfristig kalkulierbarem, grünem Strom und verbessern zudem ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung im Rahmen bestehender regulatorischer Anforderungen.

Insbesondere durch den Zubau und die Nutzung von Batteriespeichern entsteht eine neue Generation von PPAs. Denn der natürlich erzeugte Strom kann gespeichert und zeitversetzt genutzt werden.

Die Kombination aus erneuerbarem Strom, Speicher und Energiesteuerungszentrale kann zum Beispiel die Antwort auf Lastspitzen oder Eigenstromoptimierung geben – letzteres ist mit Blick auf die Netzentgelte besonders interessant.

Jedoch sollte auch dieses Setup immer in Zusammenhang mit einer Beschaffungsstrategie betrachtet werden. Ein eigener Bilanzkreis oder ein entsprechender Partner sind dafür notwendig.

Gleichzeitig benötigen industrielle Abnehmer nachvollziehbare Referenzwerte, um beurteilen zu können, ob angebotene PPA‑Preise marktgerecht sind. Transparente Marktindikatoren ermöglichen es ihnen, belastbare Entscheidungen zu treffen und Risiken strukturiert zu bewerten.

Welche Risiken müssen PPA-Käufer berücksichtigen?

Das Zusammenspiel aus Strategie, Ausschreibung, Bewertung und Verhandlung bildet die Grundlage für die erfolgreiche Beschaffung über einen PPA. Verschiedene Vertragsmodelle verteilen Risiken unterschiedlich zwischen Erzeuger und Abnehmer.

emw, Ausgabe 3/2026 - Cover

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Preisaufschläge oder Unsicherheiten hängen stark davon ab, wie Erzeugungs- bzw. Mengenrisiken, Prognose- und Profilabweichungen vertraglich ausgestaltet werden. Transparente Bewertungsmethoden und belastbare Marktdaten helfen dabei, Risiken realistisch einzuschätzen und Entscheidungen fundiert zu treffen.

Wie bewertet man einen PPA?

Die Frage nach einer Bewertung und fairen Preisen für fluktuierende Energien ist tatsächlich ein Knackpunkt bei vielen PPA-Deals. Eine Antwort können Indizes sein, die Transparenz in den Markt bringen.

Auch industrielle Stromabnehmer können dank der veröffentlichten PPA-Bewertungen schnell prüfen, ob angebotene Langfristpreise marktgerecht sind. Sie gehen mit Vorteil in die Vertragsverhandlungen.

Und auch die Erzeuger profitieren: Der Index verschafft Betreibern und Investoren neuer Windkraft- und Solaranlagen eine objektive Bewertungsgrundlage. So werden Vertragsabschlüsse erleichtert.

Worauf stützt sich das Bewertungstool von Unigy?

Das Bewertungstool bietet die Grundlage, einen PPA auf Basis einer Vielzahl fortlaufend aktualisierter Marktdaten zu bewerten. Dazu zählen die Entwicklungen des Marktwertes erneuerbarer Energien, Standortfaktoren sowie Prognose- und Preisrisiken.

Aus diesen Daten kann ein Fair Value berechnet werden.

Wie werden PPAs gemanaged?

Nach der Vertragsschließung sind die kontinuierlichen Prognosen der PPAs und der Handel der Prognoseabweichungen an der Börse von großer Bedeutung. Kann dieses nicht selbst übernommen werden oder fehlt der Marktzugang, sind Partner notwendig, die dieses entsprechend abbilden können. Denn nur mit präzisen Prognosen und einer fortlaufenden Optimierung des PPAs kann das Risiko minimiert werden, zusätzliche Strommengen kurzfristig am Markt einkaufen zu müssen.

Mit entsprechenden Tools werden Stadtwerke, aber auch andere Unternehmen befähigt, die Beschaffungs- und Bewirtschaftungsstrategie für erneuerbare Energien selbst in die Hand zu nehmen – datenbasiert und passgenau abgestimmt auf ihre Rolle in der Wertschöpfungskette.

 Ohne PPAs geht also künftig nichts in der Stromwirtschaft?

Strategisch gesehen sind PPAs unerlässlich – für Stadtwerke, Industrieunternehmen sowie Erzeuger. Ganz ohne Risiken sind PPAs zwar nicht. Doch diese können mithilfe eines strukturierten Risikomanagements und geeigneter Tools reduziert werden.

Zusammen mit einer funktionierenden Direktvermarktung tragen PPAs dazu bei, Energieportfolios verlässlicher, wirtschaftlicher und nachhaltiger zu gestalten.

Zum Unigy PPA-Preisindex

Der Unigy PPA‑Preisindex ist ein Referenzwert, der bei der Ausgestaltung von PPA‑Verträgen Transparenz und Orientierung schafft.

Berechnet wird der fair value über eine firmeneigene Bewertungsplattform der Unigy GmbH, die alle relevanten Prozesse für die Direktvermarktung, wie Anlageneinbindung, Abrechnung mehrerer Verträge und Bilanzkreismeldungen, an einem Ort bündelt.

Für die PPA-Bewertung wird das Tool kontinuierlich mit aktuellen Marktdaten gespeist. In die Modellierung fließen unter anderem Erzeugungsprofile der jeweiligen Technologien, Volumenrisiken und Abwicklungskosten ein, sowie Berücksichtigung der Standorte, Steuer‑ bzw. Abschaltbarkeit der Anlagen oder der Direktvermarktungswert. Reale PPA‑Abschlussdaten dienen dabei nicht als Grundlage.

Der Unigy PPA Preisindex zeigt den fair value für Strom aus Solar- sowie Windkraftanlagen (onshore / offshore) und weist diesen für Laufzeiten von einem, zwei und fünf Jahren aus (Startdatum = Frontjahr). Er wird wöchentlich im energate messenger veröffentlicht.

Der Beitrag ist erschienen in der emw Ausgabe 3/2026.